Donnerstag, 14. Dezember 2017

Marmorliebe

Marmorliebe

Sie zieht heute dieses Geschirr an, welches ich ihr einst per jungreifen Boten überbrachte. Aus Blech, Eisen, Kohle und Gold. Ich stehe am Fenster. Die Atemwege beschlagen das Sicherheitsglas zur Außenwohnanlage. Menschen mit dem ausgeprägten Sinn für das Schöne haben hier einen Park angelegt. Mit Rabenskulpturen. Mit Menschen mit gepflegten langen Haaren und Spangen. Ein paar von uns sitzen auf neuen kalten Bänken und bedanken sich für die Schmerzen. Manche trinken aus Kelchen geweihtes Wasser. Andere leeren sich in Pokalen. Sie steht da mit ihrem Geschirr und zeigt sich der Allgemeinheit. Sie trägt einen Stahlhut mit roten Federn. Sie möchte bewundert werden. Nein: sie will bewundert werden. An Herzverfettung leidende Singvögel umkreisen sie. Wir alten Menschen neigen dazu, die Vögel mit Speck zu füttern. Sperlinge z.B. sterben daran.

Sie zeigt sich allen. Das macht mich eifersüchtig. Schließlich überbrachte ich ihr dieses Geschirr. Das Geschirr ist quasi ich. Und sie ist in diesem Geschirr. Sie ist dabei so unvergleichlich endgültig. Sie schreitet mit Marmorblöcken an den Füßen. Sie schreitet mit diesen Marmorblöcken und trotzdem fast lautlos. Sie lässt sich mit Rabenskulpturen fotografieren. Keith ist einer ihrer Fotografen. Er war früher Gitarrist. Er machte aus dem Entengang den Sprung in den Atlantik.

Mich hält es nicht mehr am Fenster. Ich schleiche mich an den Pflegern vorbei und besorge mir Amadeus Salz. Es beruhigt die Nerven. Wir nennen es so: Amadeus Salz. Keiner weiß warum. Es ist einfach so, dass in Sozialstrukturen wie dieser eine eigene Sprache entsteht. Dr. Schmidt hat immer genügend da. Wie der Doktor wirklich heißt, dass wissen wir nicht. Auch nicht, ob er ein Doktor ist. Wir nennen uns irgendwie. Mich nennen sie Jonathan. Dies war aber auch schon früher so. Ich will zur Marmorliebe - ihr Geschirr mit meinem Brillentuch putzen. Ich will den Goldpreis eruieren. Ich will sie fragen, ob sie mit mir den heiligen Gral der goldenen Sonntagsbrötchen betreten will. Oder ob sie später als Baumschmuck am großen Baum der Liebe gefesselt sein mag. Er steht mitten in der Empfangshalle für Angehörige. Es ist Vorweihnachtszeit. Und Weihnachten ist schließlich das Fest der Liebe.

Bruno, dieses brutale Schwein – stellt sich mir in den Weg. Bei Scha - weinske gab es immer Italoschwein – dies waren noch Zeiten. Bruno ist der Aufpasser. Er möchte, dass ich nicht wieder Rabatz mache da draußen und über Miederinhalte singe. Dabei ist mein Gesang durchaus beachtlich. Ich kann den ganzen Scheißladen zusammenscheißen und auch schreien. Er packt mich immer am dünnen Oberarm und macht mir Blutergüsse. Wenn er mich jetzt nicht durchlässt, spucke ich ihm Blut auf den weißen Pflegekittel. Dies mache ich solange, bis der Arzt kommt. Aber Bruno lässt mich durch, nachdem mir doch noch das Passwort einfällt. Er streichelt mir sogar die Wange und berührt mich mit seinem hart beharrten Gesicht. Ein Gesicht ohne Empathie und soziale Intelligenz, wie man hier sagt. Dem haben sie nur den Job gegeben, weil er drei bis vier renitente Menschen gleichzeitig physisch in den Begriff bekommt. Seine dienstlichen Umarmungen verursachen schwere Verletzungen, besonders an der Seele.

Ich stehe nun also auch in unserem Garten, unserem Park und kann zu meiner Marmorliebe, die bis eben grade noch vor Keith und seiner Kamera posierte. Keith sitzt jetzt auf einer Bank und schlägt die Laute. Selbst dabei sieht er so geil aus wie früher auf der Bühne.

Ich stehe vor Marmorliebe. Sie spendet mir ein wenig Blut aus ihrem Mund. Schwester Irmgard berührt zart meine Hand und bittet mich wieder reinzugehen. Zuviel Emotionen wären nicht gut – Marmorliebe verwelke grade.

„Sie sind doch gar keine examinierte Kraft!“, empöre ich mich. Doch Irmgard lächelt mich so überzeugend und lieb und porzellangleich an, dass ich nicht anders kann, als ihr zu folgen.

Es ist bald Weihnachten. Und Kinder singen im Chor. Im Fernsehen läuft bestimmt wieder Winnetou, oder „Die drei von der Tankstelle“ oder ein altes Konzert mit Keith und seinen Mannen von früher.



14. Dezember 2017

Mittwoch, 4. Januar 2017

Der Rabe schreit

Mitten im Park – die Nase im Wind. Und kein Mensch in Ohlsdorf. Die Äste wirbeln zwischen Mond und Sonne. Es ist Wetter. Wetter so, wie wenn Gischten und die Haut der Wange zusammenfinden. Wetter, wo die Ohren glühen und die Tage sausen. Und das keiner draußen ist, hat seinen Grund. Wetter, wie russische Volkslieder und Bewegungen wie Seemannsgarn.

Alle Wetter! Vorausgesagt war Sonnenschein und Eisblumenschmuck. Keine schwarzweißen Nonnen auf entwurzelten Bäumen am Firmament. Vorausgesagt war die Vorhersage, die Idee des Frosches, der vom Leiterwagen fiel. Kinder mit Pudelmützen und Schlittenmüttern, Norwegermuster auf Handschuhen, kein tanzendes Gestrypp über den Gartengräbern. Die letzten Rausgelassenen und Ausgelassenen in Regenmänteln tanzen im Pfützenbogen der Regenreifen. Versicherungen zahlen nicht mehr. Reinigungsfirmen leben hoch.

Der Rabe schreit. Äste wirbeln wie von Kunsthänden durcheinander geworfen.



4.1.2017

Samstag, 26. März 2016

Der härteste Job der Welt

Ihre Jugendnaturlocke hängt an der Wand neben dem selbst reparierten Schrankscharnier in diesem männerfreien Haushalt. In ihrem ersten Bündel für die Zukunft auf dem hart gewordenen weichen Arm finden sich diese Locken nicht wieder. Kein Grund ohne Lächeln das Stadtbild zu bereichern. Sie hat Narben auf dem Rücken. Sie sollte mal das Fliegen lernen. Aber diese Zeiten streift sie ab mit einem zerrissenen Kussmund für ihr bereits Geborenes. Ein Junge.

Das Mädchen ist unterwegs. Schwangerschaftsgymnastik in einer alten angemieteten Turnhalle mit lackiertem Fichtenholz. Fenster bis zum Boden. Herren schauen zu und rauchen einhändig. Die andere Hand in der löchrigen Hosentasche zu der den Kerlen eine hübsche Näherin fehlt. Einer der Männer spricht sie an und behauptet, dass er von Babyhautpflege etwas verstünde. Einölen, mehlieren, Panade. Außerdem habe sie einen sehr schönen Bauch für ihr Alter.

Was es nicht alles gibt. Sie hat Verständnis für die Sehnsüchte der Menschen, möchte aber nicht mehr im Zentrum dieser Obsessionsgewalten stehen. Das mit dem zweiten Kind war jetzt ungünstig. Ihr Vater fragt, ob es denn künftig auch für das versehentlich abgelegte Mädchen versteckte Ostereier geben soll. Sie bleibt dabei, dass ungleich verteilte Liebe das Leben und ihre Menschen traurig macht.

Die Menschen sind so brutal, wenn sie nicht nachdenken. Aber ständig muss man ihnen verzeihen. Überall die gleichen Fratzen. Der schon geborene Knabe macht diese Fratzen nach. Manchmal hat sie Angst, er wäre selbst eine Fratze. Ihr Kind eine Fratze? Das wäre nicht auszudenken, aber auszuhalten wie letztlich alles. Bekannt kommen ihr nur die Gesichter ihrer ehemaligen Mädchengruppe vor, die eisern zusammengehalten hat und sich nun zur Frauengruppe emanzipierte. Für andere Menschen fehlt ihr die Zeit. Besonders für diese anderen Mütter.

Drei Kinderwagen, dahinter drei Beckengruppen in der überfüllten S-Bahn, während sie ihr Bündel mit einem Safran farbigen Tragetuch in der „Anhock – Spreiz“ Haltung rund hält. Sie erwischt sich dabei, wie sie andere raumgreifende Muttergestalten erschreckend findet. Aber ihre eigene Außenwirkung kennt sie nicht.

Eine dieser Frauen lächelt sie an mit einem undefinierbaren Grinsemündchen, schiefen Zähnen, einer sehr hübschen Stubsnase und großzügig einladender Stirn.

„Frohe Ostern?“

Sie streicht über ihr Tragetuch und nickt: „Wahrscheinlich schon!“

26. März 2016

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Z.B. Weihnachten

Zum Beispiel Weihnachten


In Deutschland ist auf einmal alles anders. Z.B. Weihnachten. Kein Winter, kein Schnee und Überstunden in der Sonne. Das Feiern ist den Patchworkern überlassen. Mit lebensgroßen Weihnachtsfrauimitaten überraschen sie ihre Kinder. Die Kinder sind angeekelt und derangiert. Die Kinder sind spießiger als Eltern. Ein neuer Trend übrigens. Die nächste Generation wird wieder mehr auf Familienfeste achten. Auf Abifeten wird nicht geknutscht, sondern gesketch Appt. Die Mädchen in ganz langen weißen Kleidern, die Knaben tragen schwarze Anzüge und Niqab, dies sind beduinische Gesichtsschleier und ist nur so ne Mode. Das hat nichts mit Religion was zum tun. „Was zum tun“ ist kunstbayerisch immer noch.

Die neue Generation redet kein kunstbayerisch mehr, sie versucht den Hamburger Dialekt nachzuahmen.

Ohne vierte Jahreszeit wird der Deutsche, die Deutschin mit Sicherheit depressiv. Es werden Generationen nachwachsen, die auf ihrer Abifete den ersten Schnee sehen. Sie müssen dann aufpassen, dass sie nicht in die falsche Straße einbiegen.

Bei uns daheim gibt es dieses Jahr einen interessierten Blick einer verschwindenden Spezies in die Zukunft und Biohuhn.

Frohes Fest.

24. Dezember 2015   





Montag, 28. September 2015

Rote Haare

Rote Haare


Früher hatte der Schimmer roter Haare etwas Besonderes. Man vermutete stets umgefärbte Zigeunerkinder, anstatt Sommersprossen unter blond roten Locken. Heute ist man ja ganz anders drauf. Ganz aufgeschlossen. Man ist sogar freudig aufgeregt, wenn man in Kochshows Rothaarige sieht. Kurzhaarige Rothaarige oder langhaarige Rothaarige. Aber nie solche mit Messerschnitt. Könnt ihr euch Rothaarige mit gradem Seitenscheitel vorstellen? Also ich nicht. Und doch muss es sie irgendwie geben. Vielleicht unter den Flüchtlingen. Versehentlich ein Ire darunter gerutscht, ohne Locken, aber mit roten Haaren. Die Haare so glatt wie halal. Oder wie der Schnitt im Döner, wenn der Rub bei der Hühnerkleinvariante deutlich zu Paprika mäßig ausgefallen ist. Glatt wie ein indischer Kinderkopf in Uniform. Nur hellrot eben. Also in etwa so, wie wenn das Hühnerfleisch zu lange in H Milch geschwommen ist.

Oder wenn eine Nordeuropäerin unter Palmen liegt und nebst dem Palmenschatten, der orange Charme des Lichtes ihren Scheitel berührt. Je älter man wird, desto dezenter wird die Erotik, näch. Und je schlimmer findet man sich selbst dabei. Man findet den Anstoß auf Rothaariges, weil irgendwo mal etwas attraktives Rothaariges mal rote Haare gezeigt hat. Wären aber alle Menschen rothaarig, dann spräche man jetzt von der Lava durch Europa, die hier oben angekommen, nun etwas abkühlt. Spätestens in den Fjorden verläuft alles. Der Norwegische Toll heisst die Menschen willkommen. Hier trifft Rothaariges auf viel grün, dazwischen ein weißes Kreuzschiff. Das Palmenbild mit dieser Frau, die in einer Kochshow war, auf einem Werbeplakat für ein Online Reiseportal.

Keine verbotenen Worte über Minderheiten und Breivik weggeschlossen. Alles ist ruhig.

Wir wandern durch weiße Zeltstädte mit syrischen Gesichtern. Wir schaffen Gelefelder Elbinseln (heute Jenfeld) für die Flucht in Mann und Frau. Wir stellen Plastikpalmen auf und malen in Zahlen Bilder wie aus der Grundschulfibel. Nur heute viel bunter und detaillierter. Der Mann bei der Essensausgabe wird mit roten Haaren dargestellt. Er heißt Hugo und ist Philosoph. Seine Großeltern waren Indianer aus dem Edelsteinstaat, der rot schimmerte. Idaho, wie I Phone oder Thomas I PUNKT. Wir erklären dem ersten wehrlosen roten Wollschopf die Funktionen eines deutschen Kartoffelsalates. Menschen anderen Glaubens erzählen wir mit etwas mulmiger Schafskopfsülze im wabernden Brain, dass der Playboy ein Lifestylemagazin für Rückenprobleme und Fleisch ist. Ähnlich wie Beef. Dieses ganz ausgezeichnet trocken gereifte Lebensmagazin. Unreines Fleisch kommt nicht in den Wasserkocher und auch nicht in den Kaffee.




Die Plastikpalmen biegen sich im Hamburger Wind.
„Unter Palmen schwört sichs leicht!“*

28. September 2015   

* Cäthe


Samstag, 7. März 2015

Herr Schwerenöter

Sie haben sich Bilder von Kindern angeschaut? Schämen sie sich! Und zwar auch noch auf dem Laptop und nicht dort, wo es anständige Menschen machen! Auf der Straße, in der Schule und im Kindergarten. Da wäre das vielleicht noch okay, wenn sie sich nichts dabei denken würden. Sie haben wohl was zu verbergen. Und sie wissen wohl auch, was wir uns zu jedem dieser Bilder denken können. Nämlich nichts, wenn wir wohl gesonnen sind. Sonst aber denken wir uns was. Und zwar denken wir uns was über sie aus, Herr Schwerenöter. Wir denken, dass ihnen das teuer zu stehen kommen muss. Wir denken, dass wir das Volk sind und wenn das Gericht sie nicht ..., dann sind wir die Petition. Jaja, ich weiß – unanständiges Wort, total zweischneidig und doppeldeutig. Aber es heißt nun mal so. Petition.

Ich habe als Junge lieber mit Petrapuppen gespielt, als mit Barbies, aber das geht sie hier schon mal gar nichts an. Wir waren eben arm zuhause. Na und? Ist man deshalb schon verdächtig? Sie sollen sich nämlich mal was schämen. Mein Bildschirm bleibt sauber. Meine Gesetze mache ich mir selbst und zwar immer strengere und diese Fotos in den alten Pappkartons, die sind von früher. Zumindest die, die ich ihnen nicht zeigen werde.

Wenn sie so gucken, wie sie gucken, wenn sie sich was angucken, dann wundern sie sich mal nicht. Dann werden wir schnell mal zum Till Schweiger, zum Volksschauspieler, zum Verräter von einem wie sie einer sind. Wie sie schon aussehen, wenn sie sich was dabei denken. Sie freuen sich bestimmt schon, wenn es Läuse in der Kita gibt. Dann laufen nämlich mehr davon auf der Straße rum. Und glauben sie gar nicht, dass ich glaube, was in der Lügenpresse über sie geschrieben steht.

Übrigens, ich nehme ihre Spende gerne an. Schließlich bin ich ja kein Lobbyist vom Kinderschutzbund. Ich bin Privatmann, also Privatfrau wenn sie so wollen und daher von Haus aus (denn auch ich könnte theoretisch Kinder haben oder wenigstens welche kennen) betroffen und in einem gesunden Sinne vollkommen entsetzt.

Sogar über mich selbst.

7. März 2015





Dienstag, 30. Dezember 2014

Fotografischer Jahresrückblick 2014




Fotografischer Jahresrückblick 2014


Eines Morgens wachte der Fotograf MVS mit Steinen in Kopf und Herzen auf. Dort wo Stein war, war vorher ein Bild, welches er einfach nicht losgeworden war. Auf dem Bild war ein Fischmensch, welcher sich durch die Stadt aalte. Der Fisch trug eine Laute und war augenscheinlich ein Musikant. Seine Stimme war hell und klar und so hoch und rein, wie die Stimme eines Kindes.

Der Fotograf packte seinen Rucksack mit Schmierkäse und Brot und seiner Kamera. Auf dem Weg in die Ecken der Stadt, begegneten ihn Menschen. Feine in Wellingsbüttel und Ohlsdorf, schnittige in Bergedorf und Wassermenschen ganz im Süden an Deich und Elbe. Er machte Bilder von Hügeln. Er fotografierte Graden und entdeckte Kurven in Fischform. Er sah Menschen die Bibel lesen. Diese entpuppte sich als ein Kindl und das Kindl entpuppte sich als ein Smartphone.

Er sprach Menschen an und sagte: Hallo!
Und er bekam zur Antwort: Läuft bei Dir!

Die Senfautomaten umsammelten ihn, wenn er Fotos machen wollte.
„Ey Gegenlicht, Alter!“ Junge Väter mit röstfrischen Kindern im Arm hatten schmale Hüften und entzückende Strickmützen auf.

Das ganze Jahr über war alles schon die ganze Zeit weder Winter noch Sommer und schon gar nicht Herbst. Kein Schnee, keine Schneeglocken, höchstens weiße Gloschen über den Rationen der Reichen. Und doch überall immer wieder Musik. Vor allen Dingen leise Musik. Der Rockn Roll in Miniaturform. In den Cocktailclubs wurde Bier getrunken. Endlich mal wieder, wenn auch viel weniger als früher.

Die Vivie Anns und wie sie alle heute heißen trällerten von Dächern wie die Nachtigallen. In den Betten herrschte Schieblehre. Grafische Genauigkeit neben dem, was sich Leben nannte, und neben dem was sich Fisch im Kopf schimpfte. Kein Karpfen, keine Forelle – irgendwas Asiatisches.

„Wir gehen Sushi!“
„Krass – ich Fußball!“

Die Dialoge wurden immer konzentrierter und fragten nicht nach Inhalt.
Manchmal traf der Fotograf alte Männer und Frauen auf der Straße und die redeten in ganzen Sätzen mit ihm und er war verwirrt. Sie behaupteten mit ihm früher in eine Schulklasse gegangen zu sein. Die Lehrer hätten damals in Lumpen gelehrt, meinten sie. Dafür waren seine alten Freunde mittlerweile auch völlig unnütz tätowiert und hatten meist junge SexualpartnerInnen mit reichen Eltern.
Sie fanden mittlerweile Udo Jürgens ganz passabel und hatten in letzter Zeit auch die alten Joe Cocker Scheiben wieder rausgeholt. Das sollte sich als schlechtes Omen entpuppen.

Ende September machte der Fotograf ein Selfie im Francis Rossi im Hard Rock Cafe. It’s rockin in a different way. Fisch muss Schwimmen.

Die ganze Elbe war dieses Jahr wie ein Netz und eine Leine, die seine Bilder immer wieder auffing. Deutschland wurde fast nebenbei Weltmeister. Das Tor zur neuen Heiterkeit war weit geöffnet.

Wenn da nicht dieser deutsche Griesgram wäre und dieser Stammtischhass allem Fremden gegenüber.

Irgendwann legte sich am Abend der Fischmensch wieder schlafen.

2014 ein Fotojahr wie kein anderes.




30. Dezember 2014